Abiturientin aus Burghaun berichtet von ihrem Blick hinter die Kulissen des Politikalltags

Abiturientin Sophie-Marie Hohmann mit Michael Roth MdB

Im November Jahres 2015 hatte ich erstmals die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Politikalltags in Berlin zu schauen. Damals ermöglichte mir Michael Roth die Teilnahme an den Jugendpressetagen der SPD-Bundestagsfraktion, welche mir einen weitreichenden Einblick in das Zusammenspiel von Medien und Politik boten. Zu dieser Zeit war mir bereits bewusst, dass ich gerne mal ein Praktikum im Deutschen Bundestag machen würde und im Sommer 2016 wurde dieser Plan dann in die Tat umgesetzt.

So stand ich am Montag, dem 4. Juli 2016 wieder vor dem Paul-Löbe-Haus. In der letzten Sitzungswoche vor der parlamentarischen Sommerpause erwarteten mich viele spannende und interessante Termine.

Zur meiner Überraschung stand mir gleich zu Beginn ein Highlight der Praktikumswoche bevor: Die Verabschiedung des polnischen Botschafters im Ballsaal des Hotel Adlon. Zusammen mit meiner Mitpraktikantin durfte in den ehrwürdigen Hallen des Luxushotels der sympathischen Ansprache des Botschafters lauschen und dabei leckere Häppchen genießen. Am Abend erwartete mich dann die nächste große Feierlichkeit: Die SPD-Bundestagsfraktion lud die alle Abgeordneten zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum traditionellen Hoffest in das Restaurant Auster am Haus der Kulturen der Welt ein. Dort gab es neben leckerem Essen und guter Musik auch den einen oder anderen Politik-Promi zu sehen.

Am zweiten Tag durfte ich vormittags eine Sitzung der Arbeitsgruppe Angelegenheiten der Europäischen Union der SPD-Bundestagsfraktion begleiten. Dort stand elf Tage nach dem britischen Referendum natürlich der Brexit ganz oben auf der Tagesordnung. In der Sitzung gaben der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Henrik Enderlein und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jens Spahn MdB ihre Einschätzung der Lage zum Besten.

Im Anschluss besuchte uns Nancy Faeser, die Generalsekretärin der Hessen SPD und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, für eine Führung durch die Gebäude des Bundestages. Auf der Fraktionsebene im Reichstagsgebäude konnten wir keine geringeren als den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier entdecken, die wegen der wöchentlichen Fraktionssitzung gekommen waren.

Dort fand ich mich auch am Abend wieder ein, da die SPD-Fraktion eine Informationsveranstaltung zum EU-Freihandelsabkommen mit Kanada CETA veranstaltete. Auch dieses Thema war hochaktuell, da die EU-Kommission an diesem Tag bekannt gegeben hatte, dass neben dem Europäischen Parlament auch die nationalen Parlamente an der Ratifizierung des Abkommens beteiligt werden sollten.
Am Mittwochmorgen durfte ich dank des Nachbarbüros von Dr. Jens Zimmermann an einer Sitzung des Finanzausschusses teilnehmen, bei dem es neben vielen Zahlen auch um die aktuelle Situation in Griechenland ging. Vor allem der Bericht von einigen Abgeordneten über die Eindrücke von ihrer Griechenland-Reise war sehr interessant und aufschlussreich.

Danach ging es für mich weiter zu einem Mittagsgespräch in das Europäische Haus, bei dem Martin Kotthaus, Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt, zum Thema „Aktuelle Herausforderungen deutscher Europapolitik – Vom britischen Referendum bis zur Migration“ sprach.

Tatsächlich sah ich Herrn Kotthaus schnell wieder, denn am Nachmittag saß er neben Bundesaußenminister Steinmeier im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union, den ich von der Besuchertribüne aus verfolgte. Frank-Walter Steinmeier schilderte seine Sicht der Dinge zum Brexit sowie zur Lage in der Ukraine und stand dem Ausschuss für viele Fragen zur Verfügung. Für mich persönlich war es eine tolle Erfahrung, dem Außenminister zuhören zu dürfen. Ich war sehr beeindruckt, wie sehr er sich in der Komplexität der Thematiken auskennt. Dann löste Michael Roth als Staatsminister für Europa den Außenminister ab und unterrichtete dem Ausschuss über die aktuelle Lage in Spanien, Kroatien und Zypern.

Am Donnerstagmorgen nahm ich an einer gemeinsamen Sitzung der Freundschaftsgruppen Afghanistan und Pakistan teil, bei der die Sonderbeauftragte der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Botschafterin Sabine Sparwasser, einen detailreichen Einblick in die innen- und außenpolitischen Gegebenheiten der beiden Länder darstellte.

Anschließend war ich bei einer Bürorunde mit den Kolleginnen und Kollegen im Staatsminister-Büro im Auswärtigen Amt dabei. Es ist schon erstaunlich, wie viele verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich um den Terminkalender eines einigen Politikers kümmern!

Nach einem kurzen Mittagsessen mit Michael Roth in der Abgeordnetenkantine im Reichstag konnte ich von der Besuchertribüne aus eine Plenarsitzung verfolgen – ein „Muss“ bei einem Praktikum im Bundestag. In der Debatte hatte auch Michael Roth auf dem Stuhl des Auswärtigen Amts auf der Regierungsbank Platz genommen. Eine besonders hitzige und spannende Debatte lieferte sich das Plenum beim Antrag der LINKEN zur Zukunft der NATO und beim Gesetz zur Bekämpfung des Menschenhandels.

Zum Abschluss machte ich zusammen mit anderen Praktikantinnen und Praktikanten der SPD-Bundestagsfraktion eine Führung durch das Bundeskanzleramt. Zwar konnten wir verständlicherweise keinen Blick in Angela Merkels Büro werfen, dafür aber beispielsweise den Kabinettsaal sehen, in dem sich die Minister einmal pro Woche zu Kabinettsitzung treffen.

Für mich war diese Woche wirklich ein voller Erfolg, da ich so viele spannende und abwechslungsreiche Termine hatte, bei denen ich wiederum eine Vielzahl von Einschätzungen zu aktuellen Themen mitbekam. In Berlin ist man tatsächlich an einem Hotspot der Politik angekommen, was mich an manchen Tagen wirklich immer wieder überrascht hat. Mein Interesse an Politik ist definitiv noch mal angestiegen. In Zeiten von zunehmender Politikverdrossenheit kann ich es wirklich jedem empfehlen, eine solche Möglichkeit zu einem Praktikum wahrzunehmen.